Herzinsuffizienz in der Schweizer Hausarztmedizin

Heart failure epidemiology and treatment in primary care: a retrospective cross‐sectional study

Rachamin Y, Meier R, Rosemann T, Flammer A, Chmiel C

ESC Heart Failure. 2020

Hintergrund:

Die Herzinsuffizienz ist weltweit eine der Hauptursachen für Morbidität und Mortalität, aber über die Epidemiologie der Herzinsuffizienz und die Behandlung in der Hausarztmedizin ist nur wenig bekannt. In dieser Studie wurden Patientinnen/Patienten mit Herzinsuffizienz in der Hausarztmedizin beschrieben, wobei der Schwerpunkt auf der Verschreibung von Medikamenten und insbesondere auf der einzigen spezifischen Behandlung der Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion, nämlich Sacubitril/Valsartan, lag.

Methoden:

Bei dieser Studie handelte es sich um eine retrospektive Querschnittsstudie, die Daten aus einer elektronischen Krankenakten-Datenbank von Schweizer Hausärztinnen und Hausärzten aus den Jahren 2016 bis 2019 verwendete. Mit Hilfe einer hierarchischen logistischen Regression wurden Determinanten der Sacubitril/Valsartan-Verschreibung ermittelt; es wurden Odds Ratios (ORs) und 95% Konfidenzintervalle (CIs) angegeben.

Ergebnisse:

Wir identifizierten 1288 Patientinnen/Patienten mit Herzinsuffizienz (48,5% Frauen; Alter: Median 85 Jahre, Interquartilsbereich 77-90 Jahre) anhand eines Diagnosecodes, was 0,5% der Patienten entspricht, die während des Beobachtungszeitraums eine Hausärztin/einen Hausarzt konsultierten. Etwa 73,6% erhielten einen Renin-Angiotensin-Aldosteron-System Hemmer, 67,8% einen Betablocker, 34,6% einen Kalziumkanalblocker, 86,1% ein Diuretikum und 40,1% ein anderes kardiales Medikament. Sacubitril/Valsartan wurde bei 6% der Patienten verschrieben, die überwiegend männlich (OR 2,10, CI 1,25-3,84) und jüngeren Alters (OR 0,59 pro Zunahme in 10 Jahren, CI 0,49-0,71) waren und häufiger Diabetes mellitus (OR 1,76, CI 1,07-2,90) hatten. Die empfohlene Anfangsdosis für Sacubitril/Valsartan wurde bei 67,1% und die Zieldosis bei 28,6% der Patientinnen/Patienten erreicht.

Schlussfolgerung:

Die Prävalenz der Herzinsuffizienz unter den Patientinnen/Patienten in der Hausarztmedizin war gering. Angesichts der Krankheitslast und der Assoziation mit Multimorbidität sollte das Bewusstsein für die Herzinsuffizienz in der Primärversorgung erhöht werden, mit dem Ziel, die Herzinsuffizienztherapie zu optimieren.